Vielleicht geht es dir wie mir vor einiger Zeit: Du hast dich bereits über Hydrokultur informiert und weißt Bescheid, wie es funktionieren sollte. Und eigentlich würdest du es auch gerne mal ausprobieren. Aber ohne Erfahrung einfach ein System kaufen und auf einen guten Einstieg hoffen? Eigentlich möchtest du zu Beginn vermutlich auch gar nicht so viel Geld ausgeben. Nur mal ausprobieren und sehen, ob dir das ganze zusagt? Dann habe ich hier die Lösung: meine einfache Start-Anleitung für deine erste Hydrokultur. Ich zeige dir Schritt für Schritt, wie ich hätte anfangen sollen, wenn ich damals schon mein heutiges Wissen gehabt hätte.

Einstieg: das Material

Für einen besonders einfachen Einstieg brauchst du nur wenige Materialien: einen passenden Behälter, das richtige Substrat, geeigneten Dünger und natürlich das Saatgut deiner Wahl. Doch der Reihe nach.

ein passender Behälter

Einfach den erstbesten Behälter zu nehmen, der dir über den Weg laufen wird, wird vermutlich nicht die beste Wahl sein. Wir haben einige Anforderungen an unseren Behälter. Schließlich lebt später unsere Pflanze darin und ernährt sich daraus.

Das wichtigste: er muss sauber sein. Frei von Verunreinigungen und Ablagerungen, die in die Nährlösung übergehen könnten. Von alten Waschmittelbehältern kann ich schonmal abraten. Besser geeignet sind beispielsweise diese kleinen Eimer, in denen Joghurt und Pudding verkauft wird. Weiterhin gut geeignet sind große Gläser von Kirschen und leere Konservendosen. Allgemein ist alles, was zur Lebensmittellagerung geeignet ist, auch für unseren Einstieg in die Hydrokultur geeignet. Eine gute Richtgröße liegt zwischen 0,5l bis 5l.

Von großem Vorteil ist es auch, wenn dein Behälter über einen Deckel verfügt. Er muss den Behälter nicht unbedingt wasserdicht verschließen, soll aber später unser Substrat an Ort und Stelle halten. Weiterhin sollte der Behälter nach Möglichkeit kein Licht durchlassen, da dir sonst Algen in der Nährlösung wachsen könnten. Die sind zwar prinzipiell kein Problem, klauen deiner Pflanze aber die wichtigen Nährstoffe. Solltest du einen lichtdurchlässigen Behälter haben, kannst du ihn auch einfach mit etwas Alufolie umwickeln und damit abdunkeln.

das richtige Substrat

Die eigentliche und damit wichtigste Aufgabe von unserem Substrat ist es, der Pflanze den notwendigen Halt zu geben. Im Gegensatz zu normalen Erdkulturen muss das Substrat in der Hydrokultur keine Nährstoffe speichern. Es beheimatet auch keine Kleinstlebewesen, die die Nährstoffe erst in pflanzenverfügbare Form bringen. Wir wollen der Pflanze also nur etwas Halt geben.

Vor Vorteil ist es, wenn das Substrat etwas Wasser, oder in unserem Fall Nährlösung, speichern kann. Damit die Wurzeln nicht anfangen zu faulen, sollte es allerdings auch Luft an die Wurzel lassen. All diese Voraussetzungen erfüllt Mineralwolle. Bekannt aus der Wärmedämmung wird dieses Material, genauer gesagt Steinwolle, inzwischen vielfach in der gewerblichen Pflanzenzucht eingesetzt.

Für unseren einfachen Einstieg ist es perfekt geeignet. Du brauchst dir keinen großen Sack irgendeines Substrats kaufen und kannst sogar auf einen Pflanztopf verzichten. Alles was du benötigst, ist nur ein Steinwollewürfel. Darin kannst du den Samen direkt keimen lassen. Du brauchst auch später nicht umtopfen, sondern lässt die Wurzeln einfach unten heraus direkt in das Wasser wachsen.

Steinwollewürfel gibt es in verschiedenen Formen und Größen. Die kleinsten habe ich bei Ikea gesehen. Sie haben eine zylindrische Form mit ~2cm Durchmesser und 3cm Höhe. Falls du einen Ikea in der Nähe hast und sowieso deinen Dünger dort kaufen möchtest, kannst du diese nehmen. Sie sind auch im Ikea Onlineshop und bei Amazon erhältlich.

Aus meiner Sicht noch etwas besser geeignet sind die etwas größeren Steinwollewürfel. Die Firma Grodan ist der vermutlich größte Hersteller von Steinwolleprodukten für die Hydrokultur und hat auch für uns etwas passendes parat: den 444 Miniblock. Darin können wir unsere ersten Pflanzen nicht nur keimen lassen lassen, sondern auch ganz beruhigt komplett aufwachsen lassen. Es gibt noch andere Formen und Größen von Steinwolle in der Hydrokultur, aber in den meisten Fällen fängt es immer mit diesem Format an. Da er etwas größer als die Ikea-Variante ist, bietet er den Wurzeln auch etwas Platz zum Verankern der Pflanze und wir können sie beruhigt darin wachsen lassen.

geeigneter Dünger

Wir können leider nicht einfach in den Supermarkt gehen und den erstbesten Dünger für einen Euro die Flasche kaufen. Die darin enthaltenen Nährstoffe können von der Pflanze nicht ohne weiteres aufgenommen werden. Mikroskopisch kleine Lebewesen in der Erde wandeln die Nährstoffe aus dem Dünger erst in eine Form um, die die Pflanze aufnehmen kann. Da wir aber keine Erde einsetzen, ist dieser Dünger für uns auch nutzlos.

Wir haben aber trotzdem eine große Auswahl an Düngern. Das wichtigste ist eigentlich, dass auf der Flasche steht, dass er für Hydrokultur geeignet ist. Es gibt ihn in flüssiger sowie Pulverform. Weiterhin kann er aus einer einzigen oder mehreren Komponenten bestehen, die erst im Wasser vermischt werden. Insgesamt sind mehrkomponentige Dünger meist wirkungsvoller, aber für unseren einfachen Einstieg zu kompliziert.

Wir suchen daher einen Dünger, der für Hydrokulturen geeignet ist und nur aus einer Komponente besteht. Auch hier werden wir wieder bei Ikea fündig. Eine gute Alternative lässt sich auch bei Amazon finden. Wenn du lieber auf einen bekannten Hersteller setzen möchtest, hat die Firma Substral etwas passenden im Angebot. Den wirst du mit Sicherheit auch im Baumarkt deines Vertrauens finden. Wie schon erwähnt, solltest du aber darauf achten, dass er für Hydrokulturen geeignet ist.

das Saatgut

Hier wirst du wahrscheinlich selbst am besten wissen, was du eigentlich wachsen lassen möchtest. Ich empfehle dir auf jeden Fall mit Salat zu beginnen. Ob es ein klassischer Kopfsalat, knackiger Eisbergsalat oder Romanasalat für deinen nächsten Caesar's Salad wird, ist alleine deine Entscheidung. Versuch bitte nur kein Knollen- oder Wurzelgemüse. Das wird so nichts. Ebenso solltest du beim Kauf darauf achten, keine Saat-Scheiben oder -Bänder zu erwischen. Wir könnten den Samen da zwar rausholen, aber das wäre nur unnötiger Aufpreis für mehr Arbeit. 😉

Einstieg: Schritt für Schritt

Du hast nun also alles, was du für deinen Einstieg benötigst: Behälter, Substrat, Dünger und das Saatgut. Dann können wir ja loslegen. Doch bevor wir der Natur ihren Lauf lassen und der Pflanze beim Wachsen zusehen können, müssen wir noch etwas basteln.

Substrat und Pflanzbehälter vereinigen

Ich gehe davon aus, dass du die ein sauberes Gefäß als Pflanzbehälter ausgesucht hast. Wenn nicht, solltest du ihn reinigen, bevor du die nächsten Schritte angehst. Danach müssen wir den Deckel für unseren Steinwollewürfel vorbereiten. Das besondere an der Kratky-Methode, die wir hier verwenden, ist die Position der Pflanze. Im Gegensatz zu anderen Methoden darf unsere Pflanzen nicht nach unten rutschen, wenn sie das Wasser allmählich verbraucht. Um das zu erreichen müssen wir das Substrat, in dem die Pflanze wachsen soll, im Deckel fixieren. Je nach dem, für welche Sorte Steinwollwürfel zu dich entschieden hast, musst du nun eine Öffnung in den Deckel schneiden. Für den 44-Block sollte dein Ausschnitt etwa 38mm38mm groß sein. Ein Ikea-Steckling benötigt etwa ein 18mm großes, rundes Loch.

Falls du das Material deines Deckels nicht schneiden kannst, kannst du hier ruhig erfinderisch werden. Ein paar Zahnstocher oder Schaschlikspieße durch den Steinwollewürfel gesteckt können ihn auch an Position über dem Behälter haben. Bedenke bitte, dass die Pflanze auch etwas wiegen wird. Deine Konstruktion sollte also nicht bei geringster Belastung nachgeben.

Nährlösung vorbereiten

Was brauchen Pflanzen noch zum leben? Na kar: Nährstoffe. Die müssen wir nun dem Wasser hinzufügen. Da wir es besonders einfach halten wollen, arbeiten wir ohne irgendwelche Messgeräte. Lies dir also einfach die Beschreibung des Düngers durch und nimm nur halb so viel Dünger wie angegeben.

Saat ausbringen

Wenn du dir deinen Steinwollewürfel mal etwas genauer angeschaut hast, wirst du ein Loch an einer Seite festgestellt haben. Hier kommt der Samen hinein. Wenige Körner, so 2-3, reichen aus. Sollte dein Steinwollewürfel kein Loch haben, kannst du mit einem Bleistift, einem Zahnstocher oder etwas anderem spitz zulaufenden nachhelfen. Nachdem du den Samen in die Steinwolle gedrückt hast, musst du deine Aussaat kräftig wässern.

Warten

Bereits nach wenigen Tagen sollte der Samen zu keimen beginnen. Wenn die ersten Blätter herausschauen, braucht deine Hydrokultur einen hellen Platz. Die Idealtemperatur für dein Gewächs findest du sehr wahrscheinlich auf der Verpackung. Die erste Tage solltest du das Substrat hin und wieder mit der Nährlösung wässern wenn es auszutrocknen droht. Sobald die ersten Wurzeln unten herausschauen und in der Nährlösung hängen, kannst du damit aber aufhören.

Je nach Größe deines Behälters kann es vorkommen, dass die Nährlösung aufgebraucht ist und deine Pflanze noch gar nicht ihre volle Größe erreicht hat. Du kannst dann ganz beruhigt neue Nährlösung anrühren und hinzugeben. Mach deinen Behälter aber bitte nur noch halbvoll. Der Grund dafür sind die Luftwurzeln, die die Pflanze entwickelt hat. Sie versorgen die Pflanze mit Sauerstoff, den sie nicht aus dem Wasser bekommt.

Hast du weitere Fragen oder Anmerkungen? Hinterlasse mir einen Kommentar oder schreib mir. Und melde dich erst recht, wenn du diese Anleitung umgesetzt hast. 😃